Es ist herrlich wieder auf Reisen zu sein. Morgens wirft man seinen Krempel zusammen und steigt aufs Moped, äh, in den Krümel und auf geht es, die Welt erkunden! Nun ja, nicht die Welt, aber ein winziges Stückchen von ihr. Ab heute streifen wir durch die Provinz Munster und beginnen mit dem Rock of Cashel im County Tipperary. Der Berg gilt als Wahrzeichen, schon seit dem Altertum glaubt man, dass dort Geister und Feen wohnen. Die meisten Besucher kommen jedoch wegen der Burganlage, die aber gerade restauriert wird. Vom Rock of Cashel aus sehen wir an dessen Hang eine Klosterruine aus dem 13. Jahrhundert, die über einen lauschig gelegenen Trampelfad in den Wiesen erreichbar ist. Und während die Burg ein Publikumsmagnet ist, sind wir in der traurigschönen Ruine des Zisterzienserklosters wieder völlig allein. Wer hätte gedacht, dass so etwas in Europa möglich ist?

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Der Rock of Cashel.

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Gleich daneben: Eine charmante Klosterruine.

Die Landschaft sieht nun haargenau so aus, wie man sich Irland vorstellt. Die kleinen gewundenen Straßen sind mit Natursteinmauern gesäumt, die wiederum sofort wieder von Gräsern und Kletterpflanzen bewachsen werden und dann wie grüne Wälle aussehen. Man wird geradezu von Grüntönen überflutet. Vermutlich wären auch die Straßen binnen zwei Wochen vom Grün verschluckt, würde nicht ab und an ein Auto hier entlang fahren. Der Stechginster zaubert hübsche gelbe Farbtupfer und raue Felsen geben der Landschaft das untypisch irische Flair. Grade wenn man denkt, schöner kann es gar nicht werden, sieht man Schafe wie kleine Wolken in Grüppchen zusammenliegen und vor sich hin kauen.

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Heute übernachten wir auf einem kleinen Bauernhof in der Nähe des Küstenstädtchens Kinsale und genießen ein leckeres Abendessen mit Blick auf das glitzernde Wasser. Zum Hof gehört ein schwarzer, recht alter und sehr zutraulicher Hund und wir sollen darauf achten, dass er uns nicht nachläuft. Und artig wie wir sind, tun wir das auch. Umso überraschter sind wir, ihn im Garten des Restaurants wieder zu sehen. Fröhlich und erstaunlich agil für seine alten Tage streicht er um die Tische und lässt sich von allen einmal streicheln. Fast hätten wir ihn heimgebracht, aber – reden hilft ja oft – es ist doch ein anderer. Gut, dass wir nicht den falschen Hund heimgezerrt haben. Die Herren und Damen vom Nachbartisch kennen ‚unseren‘ Hund natürlich auch und außerdem noch einen weiteren, mit ganz ähnlichem Aussehen. Dies Modell ist scheinbar recht beliebt hier auf der Ecke. Nur falls sich jemand gefragt hat: Nein, die Menschen sehen sich nicht besonders ähnlich …

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Bei strahlendem Sonnenschein nehmen wir – dank der Empfehlung unseres amerikanischen Zimmernachbarn – nach einem reichlichen und leckeren Frühstück an einer Stadtführung durch das hübsche Hafenstädtchen Kinsale in Cork mit seinen kunterbunten Häuserfassaden teil. Die irische Angewohnheit, jede sich bietende Gelegenheit für ein Schwätzchen zu nutzen, haben wir uns tatsächlich entgegen unserer norddeutschen Natur angeeignet. Und so landen wir überraschend aber nicht unglücklich bei besagter Stadtführung. Das ganze geschieht, recht irisch, in aller Seelenruhe und ich kann mich dem Eindruck nicht verwehren, unser recht betagter Führer wäre schon bei der großen Schlacht von 1601 dabei gewesen. Die Iren unterlagen seinerzeit übrigens trotz spanischer Verbündeter gegen die Engländer. Dank des schönen Wetters hätte ich die Stadt auch noch zwei weitere Stunden bewundert.

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Daher nutzen wir auch den Drombeg Steinkreis ‚Druids Altar‘ in Rosscarbery für ein kurzes Nickerchen in der Sonne. Ich räume den Platz nur ungern, irgendwann jedoch kommen weitere Besucher, die sicherlich gern ein Foto ohne mich auf den Mauern der Rundhütte hätten. Obwohl die gut erhaltene Kochstelle ein deutlich beliebteres Fotomotiv ist. Kein Wunder, ein jeder denkt sofort: ‚Genau so hätte ich es auch gebaut!‘

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Der Ire spricht auch von „40 Shades of Green“…

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Also machen wir uns auf, die Klippen von Crookhaven und den Mizen Head zu bewundern, lassen uns ordentlich vom Wind durchpusten und genießen die fantastische Landschaft. Was sind die Iren doch vom Glück geküsst mit ihrem wunderschönen Land. Die Westküste hat mehrere zerklüftete Landzungen, die weit in den Atlantik reinreichen und dem Wild Atlantic Way so seine zweieinhalbtausend Kilometer lange Strecke, die man ihm auf ersten Blick auf die doch eher kleine Insel gar nicht zutraut, verschaffen.

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Den Nachmittag verbringen wir im reizenden Garten des Bantry House, essen köstlichen Kuchen und trinken eine wirklich brauchbare Tasse Kaffee. Es bringt großen Spaß über das teils sehr gepflegte, teils fast verwunschene Gelände zu spazieren, den italienischen Garten und die alten Stallungen zu bewundern. Für die, wie uns mehrfach versichert wurde, sehenswerte Inneneinrichtung und ausgestellten Kunstgegenstände des Landhauses selbst ist uns heute das Wetter einfach viel zu schön. Man muss sich schließlich auch noch etwas für kommende Reisen aufbewahren, meint ihr nicht?

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Aufgrund der guten Erfahrung mit dem Farmhouse B&B haben wir uns entschlossen nicht an der Küste zu übernachten, sondern statt dessen etwas ins Landesinnere zu fahren und uns dort wieder ein Farmhouse zu suchen. Wir besichtigen noch die idyllisch auf einer eigenen kleinen Insel gelegene Priorei St. Finbarr’s Oratory und fahren von dort aus auf kleinsten Pfaden zum B&B. Und siehe da, wir sind die einzigen Gäste. So müssen wir das Teegebäck nur miteinander teilen, das ist ja nun auch nicht zu verachten. Mit Kuhmuhen als Hintergrundmusik schlafen wir in unserem hübschen Zimmerchen ein.

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Unsere Gastgeberin rät uns dringend vom Ring of Kerry am Wochenende ab, da dieser reichlich von langsam schleichenden  Touristenbussen befahren wird. Statt dessen empfiehlt sie die Landzunge drunter, den Ring of Beara. An seiner Spitze kann man mit einer abenteuerlich aussehenden Seilbahn nach Dursey Island übersetzten. Tun wir aber nicht, es ist nämlich gerade Mittagspause als wir ankommen. Die Strecke selbst ist dank unserer lustigen gestrigen Tour fast langweilig. Vielleicht wäre der Ring of Kerry doch spannender gewesen? Wir wissen es nicht. Zu unserer großen Freude treffen wir aber Lars mit seinem Motorrad auf ein kurzes Schwätzchen wieder.

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Und dann geht es auf direktestem Weg – aber durchaus durch zauberhafte Landschaft – bis Trabert an das Ufer des Shannon. Dort verbringen wir einen entspannten Abend in einem dieser netten Pubs, die man hier immer wieder findet.