Der Abschied fällt schwer. Wir waren schrecklich gern in Montréal, mochten unsere schöne Wohnung und das bunte Viertel. Etwas traurig verabschieden wir uns von unseren zauberhaften Gastgebern Jacqui und Yvon und steigen ins Taxi zum Flughafen. Wir haben es nicht besonders eilig, scheinbar aber der Taxifahrer umso mehr. Er rast als gäbe es einen Preis zu gewinnen, oder ist er vielleicht tot auf dem Gaspedal zusammengebrochen? Früher als erwartet und überraschenderweise unverletzt kommen wir am Flughafen an. Trotzdem versäumen wir es, die Postkarten in den Kasten zu werfen und jenseits der Sicherheitsschleuse gibt es keine Briefkästen mehr. Ein besonders netter Sicherheitsbeamte nimmt aber die Karten entgegen und erledigt den Gang für uns. Ach, Kanada wird uns fehlen!
Ist der Inlandsflug nach Toronto noch unspektakulär, gradezu langweilig, rockt der Flug über den großen Teich mit Aer Lingus, einer irischen Fluggesellschaft, deren nervenstarkes Personal ich an dieser Stelle gar nicht lobend genug erwähnen kann, außerordentlich. Die Stimmung ist ausgelassen und das Bordangebot an Spirituosen wird reichlich in Anspruch genommen. Voller Faszination beobachte ich mit einem Heineken in der Hand einen lustigen Kerl in der Reihe schräg vor uns. Er hat sich zu einer Dose Coke drei dieser kleinen Flaschen Rum, die in Supermärkten in Kassennähe bei den Schokoriegeln und Zigaretten aufgestellt werden, bestellt und trinkt diese in beeindruckender Geschwindigkeit. Als er ein zweites Gedeck bekommt bin ich zweier Dinge ganz sicher: 1. Dieser Mann muss Ire sein und 2. wir haben eine großartige Zeit vor uns.
Kurze Zeit später verirrt sich ein zweiter Mann zu ihm. Sturzbetrunken schwenkt er seinen Reisepass, als die freundliche Flugbegleitung ihn nach seiner Bordkarte fragt. Da sich sein ursprünglicher Platz nicht mehr eruieren lässt und er wirklich niemandem zuzumuten ist, wird die Reihe vor uns geräumt und er dort zum Schlafen gelegt. Ab und an wacht er auf und will ausbrechen, aber die freundlichen Damen von Aer Lingus versprechen ihn zu wecken, wenn wir in Dublin sind. Vermutlich glaubt er, er fährt Eisenbahn. Die Damen wechseln sich mit der Zähmung ab, ab und an darf er zum WC oder bekommt ein Ginger Ale und etwas zu essen bis er etwas ungehalten wird. Von nun an und bis zur Landung drei Stunden später steht ein riesiger und sehr starker Flugbegleiter neben seiner Reihe und hebt drohend die Augenbraue, wenn unser betrunkener Freund auch nur zuckt. Zwar kann ich weder schlafen noch lesen, trotzdem fühle ich mich ausgezeichnet unterhalten und werde mich noch lange einem Lächeln im Gesicht an diesen Flug erinnern.
Der Dubliner Flughafen erinnert stark an Hamburg und lässt etwas Heimweh aufkommen. Rechts Presse + Buch, links der Supermarkt, ich bin sicher, ein Stückchen weiter wäre die Autovermietung und gegenüber das Parkhaus. Aber das stimmt natürlich nicht. Außerdem sind die Hinweisschilder in gälisch und englisch gehalten und ich bin sicher, das wird in Hamburg anders gehandhabt.
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