Die Geheimnisse des türkischen Fahrstils konnte ich bisher nicht entschlüsseln. Klar, sollten mehr Fahrzeuge nebeneinander passen als Spuren angedacht sind, werden diese geschaffen. Das verstehe ich. Auch die Erweiterung der grünen Ampelphasen um einige Sekunden zuvor und achtern, meinetwegen auch mitten in der Rotphase, wenn doch eh keiner kommt. Dann wird es schwieriger. Hilfreich ist es, die große Rücksichtslosigkeit einfach zu akzeptieren, wie man es auch beim einem Kleinkind täte. Es wird gedrängelt und geschnitten, ausgebremst, links geblinkt und rechts gefahren, oder geradeaus gefahren oder angehalten? Eigentlich egal. Am besten stellt man sich auf alles ein. Mopeds dürfen hier übrigens nicht so schnell fahren wie PKWs, vermutlich kann man sie deshalb gar nicht als vollwertige Verkehrsteilnehmer ansehen. Ein besonderes Phänomen möchte ich noch erwähnen: Grundsätzlich wird zwar schnell gefahren, teilweise sogar sehr schnell, aber beschleunigt wird irgendwie nicht. Das ist beim Überholvorgang schon seltsam – grade wenn die entgegenkommenden Fahrzeuge aufblinken -, und immer wieder überraschend ist es aber beim Abbiegen. Der Türke kriecht ohne Rücksicht auf den nachfolgenden Verkehr sowohl beim Verlassen der Schnellstraße als auch beim Auffahren auf die gleiche. Keinesfalls würde er ein oder zwei Autos abwarten, er fährt einfach bzw. rollt langsam auf die Straße. Zum Piepen eigentlich.

In Izmir wohnen wir fürstlich. Das Bad ist riesig, das Schlafzimmer bezaubernd und neben dem Wohn- und Esstimmer haben wir noch eine komplett ausgestattete Küchenzeile. Das Frühstück wird zur gewünschten Zeit im Zimmer serviert und die Mopeds bekommen einen großartigen bewachten Parkplatz. Es ist super! Für kleines Geld lassen wir neben der normalen Wäsche auch die Mopedklamotten waschen, wir fühlen uns wie neu geboren.

Der Basar in Izmir.

Mesuts Bruder lebt offenbar in Izmir…

Das Hotel liegt in Izmirs Rotlichtviertel. Stellt es euch vor wie St. Georg vor der Wandlung. Eher schmuddelig, viele kleine billige Lädchen und Kneipen, Bars und Stripclubs. Aber vergesst nicht, wir sind in der Türkei. Daher lächeln die Damen auf den Fensterdekorationen zwar verführerisch, blank zeigen sie sich aber nicht. Ich frage mich, wie Catherine Zeta-Jones darüber denkt, dass ihr Bild hier hängt. Nutzen tut es übrigens nichts, viel los ist dort auch nachts nicht. Vermutlich müssen die Mädels tagsüber bügeln, um über die Runden zu kommen.

Izmir ist die drittgrößte Stadt der Türkei nach Istanbul und Ankara und hat 4,1 Mio. Einwohner. Und es passiert Folgendes: wir spazieren los zu unserem ersten Erkundigungsrundgang und sind erst wenige hundert Meter weit gekommen. Zwischen einigen Männern liegt ein großer Hund auf dem Rücken auf dem Gehweg. Die Beine sind zum Himmel gestreckt und zusammengebunden. Warum machen die denn sowas? Hunde werden hier eigentlich gut behandelt. Ach, das ist gar kein Hund, es ist ein Schaf! Der eine Mann zieht ein großes Messer und ich muss sofort die Straßenseite wechseln. Mitten in der Stadt auf dem Geweg wird ein Schaf geschächtet. Das ist noch nichts für mich. Frisches Fleisch gibt es hier offensichtlich!

Schon wieder ein Sonnenuntergang.

An der Promenade steppt abends der Bär. Mann und Maus sind auf der Straße, flanieren, besuchen die Restaurants, spielen Backgammon und sitzen zusammen im Gras. Zwischendrin laufen Nussverkäufer, Eismänner und Maiskolbengriller und bieten an mobilen Ständen ihre Waren an. Das lässt sich aushalten!

Der Basar mit nächtlichem Charme.

Obwohl sehr dicht besiedelt, ist die Stadt sehr sauber. Ganz anders, als unser bisheriger Eindruck von der Türkei. Ständig werden die Gehwege vor den Geschäften gefegt und mit Wasserschläuchen gereinigt, immer wieder sieht man Strassenfeger und Müllmänner. Graffitis sehen wir keine, nicht einmal in der Metro. Die Wagen der Metro sind sicher schon 20 Jahre alt, aber optisch im besseren Zustand als sie in Hamburg nach einem Monat wären!