Die Türkei war das erste Nichteuroland, in welches wir bereits mit Landeswährung in der Tasche einreisten. Thorsten und Katy haben uns vorab schon ausgestattet. Sehr bequem, so gut vorbereitet zu sein, muss ich sagen! Heute ist Ayvalık unser Ziel. Eine hübsche kleine Hafenstadt vor Izmir. Der Campingplatz liegt etwas außerhalb im waldigen Hang, direkt am Meer. Er duftet wunderbar nach Kiefern. Wirklich toll, würde nicht überall soviel Müll liegen. Es gibt Schutt, Sperrmüll, losen Müll, Müll in Tüten, Müll, Müll, Müll. Schwer ernüchternd sind auch die Sanitäranlagen, ganz üble Nummer. Schlimmer als ihr es euch vorstellt, da bin ich sicher. Wie seltsam, es gibt sogar ein Restaurant mit hübschen Terrassen am Meer. Wie passt das nur zusammen? Wir bleiben trotzdem, auch wenn es noch früh am Tag ist. An der Küstenstraße entlang spazieren wir durch die Sonne in die Stadt. Und spazieren, und spazieren, man, wie weit war das denn noch? Auch wenn wir schon etwas abgehärtet sind, mache ich mir etwas Sorgen, ob wir einen Sonnenbrand bekommen. Die Stadt macht uns Spaß. Wir essen die erste Linsensuppe (Mercimek Çorbası), hierauf freue ich mich schon seit Monaten! Außerdem bekommt Henning neue Badeschlappen und mit viel freundlicher Hilfe finden wir ein Eisenwarengeschäft, in dem wir lang gesuchte Karabiner kaufen können. Also: ein großer Erfolg! Auf dem Heimweg sammelt uns ein schon völlig überfüllter Dolmuş ein. Aufgrund der Hitze bleiben die Türen offen und Stan Shunpike rast mit uns die Straßen entlang wie Harry Potter mit dem fahrenden Ritter durch London. Mir bleibt keine Zeit um Übelkeit zu entwickeln, so schnell flitzen wir die Straßen entlang, an Autos vorbei und um die Kurven. Wie durch ein Wunder kommen wir heil Zuhause an.

Der idyllische Zeltplatz direkt am Meer. Der Stuhl links lässt allerdings auf den allgemeinen Zustand des Umfeldes schließen.

Dort habe ich großes Glück und erwische die einzige der drei Duschkabinen, der nicht ein größerer Teil der Außenwand fehlt und kann so ohne Zuschauer unter dem dünnen Strahl im Dreck hin und her hüpfen. Leider kommen auch irgendwann die Mücken raus und mit Ihnen unzählige Fledermäuse. Wie spannend! Die Sonne versinkt rot im Meer, die Grillen zirpen, es duftet so schön und wir sitzen völlig allein zwischen den Bäumen. Allein mit den Mücken, daher sind wir früh im Bett. Aber nicht allzu lange. Zwischen Mitternacht und ein Uhr werden wir energisch aufgefordert sofort die Mopeds umzuparken, genau hier soll ein weiteres Zelt stehen. Ich bin stocksauer und will sofort abreisen. Erst dieser ganze Müll und Dreck und jetzt noch diese abwegigen und unnötigen Forderungen. Hackt es? Henning ist vernünftig, parkt die Mopeds mitten in der Nacht um und baut mit Hilfe anderer Mopedfahrer und einiger Steine einen neuen Standplatz für beiden Mopeds am Hang. Am frühen Morgen sind wir schlechtgelaunt und ungeduscht wieder auf der Straße. So erwischt uns aber die Hitze auch erst später. Es hat also auch sein gutes. Wir haben es nicht weit, haben uns in ein wirklich schönes Hotel in Izmir eingebucht und werden dort sehr herzlich willkommen geheißen.