In Murighiol im Donaudelta angekommen versuchen wir anhand einer etwas bizarreren Wegbeschreibung einen ganz bestimmten, zauberhaften kleinen Campingplatz praktisch mit Familienanschluss anhand eines Reiseberichts zu finden. Erfolglos. Immer wieder fahren wir den Weg ab, interpretieren neu, fahren nochmal, lesen nochmal, schauen auf die Karte, aber: nix. Statt dessen nimmt das Unglück seinem Lauf. Gargarmel bekommt uns in seine Klauen. Wir landen auf einem schmuddeligen kleinen Hinterhofplatz  und können uns irgendwie nicht wehren. Zu müde? Ich weiß es nicht. Wir schaffen es noch, den Kochkünsten Gargarmels Frau zu entkommen und auch seinen Schnäpsen. Die müssen wohl unbedingt noch wech, immer wieder fängt er damit an. Brr, schüttel! Ich komme mit Dosenbier durch, Reuschi jedoch kann den Wein, den Gargarmel ihm randvoll in ein 300g Senfglas füllt, nicht abwehren. In das Glas gehört das Zeug auch rein. Armer Reuschi.
Wir befinden uns im Sumpf und werden beim Kochen von einem Mückenschwarm überrannt. Kaum bricht die Dämmerung herein ist Schluss mit schön. Reuschi bekommt bestimmt 50 Mückenstiche in wenigen Minuten. Die Stimmung ist schlecht und die Suppe noch etwas roh. Nicht gut für mich, ich habe eh etwas Bauchweh. Gargarmel ist inzwischen sturzbetrunken. Ich muss dringend wo anders hin. Der Typ geht mir total gegen den Strich. Also ab ins Bett.

Der Hafen von Murighiol.

Am nächsten Morgen um 07:00 Uhr geht’s los auf die Seenplatte. Gemeinsam mit Markus und seiner Freundin haben wir ein Boot samt super Führer gemietet und können die Vögel beobachten. Am Morgen sind noch nicht so viele Boote unterwegs und daher noch viele Vögel zu sehen. Und die sehen wir! Reiher und Eisvögel, Störche, Enten und Pelikane, Pelikane, Pelikane.

Ein Pelikan. Ganz schön groß, die Biester.

Kein Einzelgänger. Der Pelikan lebt und jagt offensichtlich in Kolonien.

Auch die Reiher waren hübsch.

Malerisch und schattig – landschaftlich eine tolle Ecke!

Außerdem Bäume die aus dem Wasser wachsen, Schilf und Seerosen, Moos und einfach unglaublich viele Vögel. Das Bootfahrten macht Spaß, aber ich habe noch immer Bauchweh. Allmählich wird mir auch übel. Also richtig übel. Und außerdem ist mir saukalt. Ich hoffe nur noch, dass wir bald Pause machen. Als wir endlich angekommen sind verschwinde ich erst mal im WC. Aber ohne Erfolg. Alle Menschen sind sehr hilfsbereit. Wo kommen die eigentlich alle her? Ich bekomme Wasser mit Eis und Zitronenschnitze, habe aber kein Interesse daran. Leider sind wir auf einer Insel, ich muss wieder ins Boot, um hier wegzukommen. Mir graut davor. Mein Bauch tut so weh und mir ist übel. Und wie kann es nur so verdammt kalt sein, obwohl die Sonne doch scheint?

Albi auf dem Boot – hier ist die Welt noch in Ordnung.

Auf dem Heimweg bekomme ich einen Schattenplatz und darf den Kopf auf Hennings Beine legen. Zweimal denke ich, ich müsste die Fische füttern, aber auch das wird nichts. Wieder an Land checkt Henning uns ins nächste Hotel ein, den Weg dahin gehe ich zu Fuß, keinesfalls kann ich in ein Auto steigen. Es ist irgendein Ferienpalast mit Tennisplätzen und Pool. Und einem ganz tollen Bett. In dem liege ich während Henning sich um alles kümmert: Er packt das Zelt zusammen, kauft uns Geld, lädt unser Zeug auf die Mopeds, holt beide Mopeds zum Hotel, kauft uns Wasser und sabbelt sich mit Gargarmel ab. Ich bin wirklich dankbar, kann nämlich garnichts. Irgendwann geht’s los. Die Toilette wird mein bester Freund. Und das Bett, ich bin total fertig. Und ich friere so. Schlimm, alles ist ganz schlimm.
Am nächsten Morgen ist es besser. Am späten Nachmittag trauen wir uns sogar schon an den Pool. Henning der Gute fährt wieder los und kauft uns Wasser. Am Supermarkt kommt er mit einem vermeidlichen Spanier ins Gespräch, der aber doch Rumäne ist. Nur das Auto ist in Spanien angemeldet. Henning erzählt ihm von unserer Reise und der Unterbrechung, wegen meines angeschlagenen Verdauungstracktes. Aber der spanische Rumäne ist bereits über alles informiert, Gargarmel hat bereits dem gesamten Ort Bescheid gegeben. Wahrscheinlich bei einem Glas Schnaps.

Ein sauberes Zimmer, gutes Wetter, Pool, Sonnenuntergang… Und schon war Albi nach drei Tagen wieder topfit!

Am Morgen unserer Abreise werden wir bestohlen. Zum ersten mal auf der Reise, ich hoffe, es bleibt das einzige Mal. Im Frühstücksraum gibt es eine Förderschnecke für Brote, mit deren Hilfe diese an Heizspiralen vorbei befördert werden, um sie zu toasten. Ein großartiges Ding, das mir viel Freude bereitet. Man darf es selbst bedienen. Ich lege also eine Serviette auf einen Teller und platziere Brote auf der Förderschnecke. Einen großen Teil ihres Weges kann man beobachten, der letzte Teil ist jedoch verdeckt. Die ersten Brote sind fertig und liegen auf dem Teller, aber ich toaste zwei weitere. Die Wartezeit ohne Sichtkontkt zu den Broten nutze ich um mir einen Kaffee zu holen. Und dann passiert es: als ich wenige Sekunden später zum Toastapparat zurückkehre ist der Teller bis auf die Serviette und einige kleine Krümel leer. Eine Frau in einem weißen T-Shirt und dem Aussehen von Victoria Beckham hat mein Brot gestohlen! Ich überlege ihr auch den Kaffee zu geben, wer weiß was sonst noch alles passiert!