Das Hotel in Berca verlassen wir rechtzeitig und machen und auf die Suche nach einer Post. Nachdem wir sie auch nach viertem Nachfragen nicht finden, nimmt uns eine ältere Dame an die Hand und bringt uns hin. Wir hätten sie auch nach fünfzehnmal Nachfragen nicht gefunden. Die Dame strahlt sehr und freut sich über unseren Besuch. So nette Menschen wie in Rumänien kann es nirgendwo anders geben! Die Dame bei der Post schenkt uns zwei Briefumschläge und so gehen unsere Visaanträge auf die Reise. Nach langem hin und her und für und wider haben wir uns für die Route nördlich ums Kaspische Meer entschieden. Armenien fällt allerdings wohl aus, die Grenze zur Türkei ist dicht, wir könnten dann nur vom Norden einreisen, was bei unserer unserer Route einfach keinen Sinn macht. Mist. Die Botschaft in Yerevan wäre so freundlich gewesen, unsere Post mit Visa und Reisepässen entgegen zu nehmen. Hier brauchen wir noch einen Plan B. Mal sehen, was die Botschaft in Georgien sagt. Erst einmal geht’s wieder los!

Mopedpause im Auenland.

Wir fahren durch sanfte grüne Hügel und auf einmal sind die da: die Schlammvulkane von Noroioși. Vom Auenland auf den Mond. Irgendwie unwirklich. Mit den Mopeds können wir dicht ranfahren und das ist echt von großem Vorteil, das Gestapfe im Schlamm mit den schweren Stiefeln wird noch anstrengend genug. Zum Glück war es die letzten Tage eher trocken und es gibt einen Wassertank, an dem wir Stiefel und Hose wieder reinigen können.
Es nützt nichts, trotz Wärme müssen wir weiter.

Isi Albstrong, die erste Frau auf dem Mond.

So trocken war es nicht überall…

…wie man hier sieht. Blubb.

Unser nächstes Ziel ist das Donaudelta und es wäre toll, wenn wir es heute schon erreichen könnten. Allerdings ist es mittlerweile schon recht spät. Den Berg rumpeln wir trotz harter Spurrillen einfach wieder runter. Früher hätte mich das durchaus Überwindung gekostet. Heute kostet es nur etwas Kraft, und das eigentlich wegen des Gepäcks. In den letzten Jahren habe ich eigentlich nur noch geistig gelernt. Es ist schön, körperlich mal etwas dazu gelernt zu haben. Ein gutes Gefühl.

Albi in Action bei der Auffahrt zu den Schlammvulkanen.

Wir fahren jetzt auf einer dicht befahreneren Schnellstraße mittlerer Qualität durch die Wüste, oder wie sollte man es nennen? Scheinbar haben Pioneer und Co. große Teile von Rumäniens Osten gekauft bzw. unter Vertrag. Es gibt hier Maiswüsten, Weizenwüsten und Sonnenblumenwüsten. Die Felder scheinen unendlich. Es ist fast beängstigend. Riesige, also wirklich riesige Bewässerungsbögen fahren über die Felder. Auf den Straßen sind neben LKW und PKW große Landmaschinen unterwegs, Pferd und Wagen sehen wir nur noch selten.

Rumänische Weizenfelder. Unendliche Weiten.

Häufig liegen nun tote Hunde am Straßenrand und wir passen auf, dass wir nicht bald dazugehören. Der Verkehr ist fies anstrengend und wird erst etwas besser, als wir die Donau überquert haben. Das ist übrigens gar kein Spaß. Der Fährmann wollte uns unbedingt in eine für Motorräder recht unbequeme Ecke stellen, also schieben und zerren und drücken und pressen wir die Biester bei großer Hitze und unnötiger Hektik auf diesen blöden Platz und halten sie noch die ganze Fahrt fest, damit sie nicht umfallen. Ich bin stocksauer und brülle den Fährmann an, als er nochmals das Moped zu schieben beginnt. Das war sehr unhöflich, aber wirksam. Danach macht er einen großen Bogen um uns.

Nach dem kurzen Ärger auf der Fähre kündigt sich unser neues Ziel landschaftlich bereits an, Ärger wandelt sich zu Vorfreude. Das Donaudelta erwartet uns.