Die Fahrt durch die Karpaten erinnert landschaftlich an die Pyrenäen: Total grün, Pferde, Kühe und Schafe laufen frei herum, jedoch ist hier deutlich weniger Verkehr. Die Orte sind überschaubar und und es leben dort mindestens so viele Hunde wie Menschen. Die Häuser sind nur teilweise bewohnbar, die nicht bewohnbaren Teile werden einfach mit Blumentöpfen geschmückt. Insgesamt fällt auf, dass Mittel fehlen, aber alles ist sehr liebevoll zurechtgemacht.

Campingplätze gibt es nun deutlich weniger und gern sind sie auch (noch?) geschlossen. Daher geben wir am Abend müde und genervt auf und nehmen uns ein wunderschönes und für hiesige Verhältnisse sauteures Zimmer in einer alten, sehr sorgfältig renovierten Villa in Banpotoc. Unser Wohnzimmer hat umlaufende Fenster mit Blick in den tollen Garten, daher beschließen wir, uns dort eine stille Ecke zum Kochen zu suchen. Diese ist schnell gefunden und nur aus einer kleine Ecke des Restaurants einzusehen. Das Servicepersonal schaut zwar etwas irritiert, sieht aber großzügig über unser seltsames Verhalten hinweg.

Blick vom Kochplatz mit Hollywoodschaukel in den Garten.

Unser nettes Wohnzimmer korreliert herrlich…

…mit dem pittoresken Schlafzimmer.

Offensichtlich sind wir in einer neuen Zeitzone. Die Uhren sind hier eine Stunde weiter und auch mein Telefon und das iPad stellen sich irgendwann um. Hennings vergreistes Telefon müssen wir jedoch manuell anpassen. Das ein oder andere Update wurde schon nicht mehr unterstützt und das macht sich immer häufiger bemerkbar. Am nächsten Tag fahren wir entlang der Transalpina, der höchsten Passstraße Rumäniens. Fast hätten wir den schönsten Teil ausgelassen, aber Bogdan, der sich sehr für unsere Mopeds interessiert, erklärt uns genau, wo wir unbedingt entlang fahren müssen. Und wir halten uns natürlich daran. Die Transalpina ist nur zwischen dem 01.07. und 30.09. geöffnet, ansonsten ist sie wetterbedingt nicht befahrbar. Solange man die Baumgrenze nicht überschreitet, ist sie problemlos für Menschen mit Höhenangst zu nutzen, den Abgrund sieht man wirklich nur an sehr wenigen Stellen, ansonsten sehen wir nur Bäume, Bäume, Bäume. Die Straße ist nur wenig befahren, daher ist auch der schlechte Straßenbelag überhaupt kein Problem.

Sitzt ne Schnecke auf der Schildkröte und schreit „Jipppieeeh!“ 🙂

Transsilvanien gefällt uns total. Wir fühlen uns hier sofort sauwohl. Am Abend nehmen wir uns in Voineasa ein günstiges Zimmer in einer kleinen Pension, deren einzige Gäste wir an diesem Abend sind. Im Nieselregen spazieren wir durch den Ort auf der Suche nach einem Magazin, wie die Supermärkte hier heißen. Es ist schon recht spät und hinter uns kommt ein Mann mit düsterem Gesichtsausdruck und einer Axt. Also nicht einem kleinen Beil, sondern einer richtigen Axt. Und kräftig ist er auch. Leider gehen wir zum Ortsausgang und er immer hinterher. Mist, wir müssen jetzt umdrehen und an ihm vorbei. Also los! Als wir auf einer Höhe sind fragen wir ihn nach einem Magazin. Und siehe da, er lächelt auf einmal, deutet in die andere Richtung, zeigt an, dass es sehr weit ist und Annabella heißt. Außerdem sagt er noch sehr viel anderes, was wir alles nicht verstehen. Hat Annabella heute schon geschlossen oder ist sie im Urlaub? Oder ist der nächste Supermarkt 30 Kilometer entfernt und Annabella kann uns hinfahren? Nach 15 Minuten Fußweg treffen wir auf den Supermarkt Annabella, trotz der späten Stunde hat er geöffnet und ist gut besucht und er hat außer Holsten Pilsener in zweieinhalb Liter Flaschen (HoPiZwHaLiFla) auch lauter Köstlichkeiten zu verkaufen. Auf unserem riesigen Balkon rösten wir später Brot, das wir mit leckerem Schafskäse, Oliven und getrockneten Tomaten verputzen.

Nur gucken, nicht anfassen.