Bei Sonnenschein ist die kleine Terrasse vor unserer Wohnung besonders gefährlich. Es beginnt ganz harmlos, wir befinden das Wetter als schön genug um draußen zu frühstücken, tragen Müsli und Kaffee hinaus und sitzen vergnüglich in der Sonne. Wir futtern, trinken einen Kaffee, entscheiden, was wir mit dem Tag anfangen zu gedenken und erinnern uns an ganz ähnliche Momente mit Peter in der Türkei. Ein wenig Internet gibt es auch, also wird aus dem zweiten Kaffee auch mal ein dritter. Wenn wir ganz viel Glück haben, schaut Kater Oscar auf einen kurzen Besuch vorbei. Und schwups, ist der halbe Tag auch schon vorbei und wir müssen uns sputen!

 

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Von unseren Streifzügen durch die Stadt würde ich einen gern ungeschehen machen. Das Elend war von vornherein absehbar und wenigstens zweimal schafften wir rechtzeitig den Absprung und stromerten in andere, sehenswerte Viertel. Doch eines Tages passierte es doch: Unaufhörlich näherten wir uns dem Pier 39, einer abstoßenden Touristenattraktion die mit historischen Straßenbahnen, Fressständen, überraschend geruchsintensiven Seehunden und einem so grauenvollem disneyworldartigem Touristendorf aufwartet, dass es mich noch heute fröstelt. Voller Angst schieben wir uns durch nikebeschuhte Menschenmassen auf der Suche nach dem nächsten Ausgang. Wie nur konnte das geschehen?

 

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Wieviel schöner ist da ein Spaziergang entlang der Küste von Lands End? Der Wind peitscht und das Meer schäumt, sollte man nicht grade auf die eigenen Füße schauen, um auf den romantischen steinigen Pfaden und glitschigen Stufen nicht den Halt zu verlieren, sieht man schroffe Klippen, beigefarbenen Strand, die beeindruckende rote Brücke, die Ruinen von Sutro Bath und zwischendrin hübsche bunte Blumen. Im angrenzenden Lincoln Park liegt der Palace of Legion of Honor, ein wirklich sehenswertes und wunderschön gelegenes Kunstmuseum mit dem Schwerpunkt auf europäische Kunst. Wie so oft in San Franciso sind die Mitarbeiter ganz besonders liebenswürdig und wir genießen nicht nur die Ausstellung, sondern völlig unerwartet auch die vorzügliche im Keller gelegene Cafeteria.

 

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Einen wirklich guten Einblick in Lebensgefühl San Franciscos bereiten und Kenneth und Kevin bei köstlichen selbstbereiteten Margaritas und Tacos. Vielleicht haben wir in San Francisco tatsächlich noch mehr Avocados gegessen als in Honolulu. Das sind aber auch leckere Biester. Zu meinem großen Verblüffen plagt die Sorge vor dem großen Erdbeben, dass San Francisco durch die nur ein paar Meilen weiter östlich liegende San-Andreas-Verwerfung bedroht, die beiden nicht allzu sehr. Tornados im mittleren Westen und Hurrikans an der Ostküste erscheinen den beiden wesentlich schrecklicher, schließlich verwüsten diese jedes einzelne verdammte Jahr die Städte. Dort könne man doch nun wirklich keinesfalls leben. Und gegen die kleineren regelmäßig auftretenden Beben schieben sie die Dinge in ihren Regalen einfach etwas weiter zurück. Ich kann mich dieser Logik nicht völlig entziehen, was vielleicht auch am übermäßigen Genuss des Fernet Branca liegt. Hicks.