Allem Anfang wohnt ein Zauber inne, sagt man. Doch noch mehr liebe ich es, wenn sich aus dem Ozean des Neuen die ersten bekannten Inseln erheben. Der Blick zum Stadtplan wird seltener und kürzer, man findet seinen bevorzugten Supermarkt, erkennt Geldscheine ohne sie lesen zu müssen, weiß, wo man im Notfall noch etwas Vegetarisches zu essen bekommt und welche Summe man bereit ist, für eine Büchse Coke zu zahlen.
Singapur macht es einem leicht sich einzufinden. Neben diesen Zeichen, die eher an Kunst denn an Buchstaben erinnern, ist alles englisch beschriftet. Englisch ist eine der Amtssprachen, auch wenn es hier mit Mandarin gemischt wird, sowohl in den Vokabeln als auch im Satzbau. Wir müssen wirklich oft nachfragen. Es herrscht Linksverkehr, wobei dieser so dicht ist, dass eigentlich niemals ein Auto überraschend von der vermeintlich falschen Seite kommt. Wahrscheinlich lässt sich der Wohlstand der Einwohner durch die Autos gut verdeutlichen. Denn die Erlaubnis Auto zu fahren ist nicht einfach zu bekommen. Es werden nur eine begrenzte Anzahl zugelassen und teuer sind sie auch. So kann man durchaus schon 50.000 US$ auf den Tisch legen, bevor man überhaupt Geld ins Autohaus tragen kann. Außerdem gibt es ein elektronisches Mautsystem, welches je nach Verkehrsdichte mehr oder weniger große Summen abbucht. Im Gegenzug ist der ÖPNV gut ausgebaut, auch ohne Auto bräuchte man nicht zu Fuß gehen. Wir tun das natürlich trotzdem, wie sollten wir denn die Stadt sonst beschnuppern?
Die Singapurer haben neben dem Futtern eine zweite Leidenschaft: Shopping. Weihnachten kommt Ihnen daher grade Recht und es tritt hier noch konsumiger auf als bei uns, Christmas Sale all around. Die Laternen sind geschmückt, der Handel hat reichlich Weihnachtsbäume aufgestellt und immer wieder gibt es kleine Holzhüttenansammlungen, die einem Weihnachtsmarkt nachempfunden sind. Rentiere ziehen Schlitten, Bühnen werden aufgebaut und die Singapurer schießen Fotos und kaufen die Geschäfte leer. Immer wieder wünscht uns jemand „Merry Christmas!“ Ohne Selfies geht hier übriges gar nichts. Wirklich egal wo man hinsieht, irgendjemand schießt auf jeden Fall eines.
Heilig Abend verbringen wir im Arabischen Viertel und essen in einem libanesischen Restaurant. „Kommt ihr aus Deutschland?“ „Ja.“ „Dachte ich mir, die Deutschen fragen immer, ob das gewählte Gericht vegetarisch ist.“ Wer hätte das geahnt? Wir jedenfalls sind sehr stolz auf unsere Landsleute! Und so lassen wir den Abend deutsch mit eiskaltem Bier vom Fass in einer lustigen Kneipe mit etwas bizarrer Weihnachtsmusik ausklingen.
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