Das Permit, das wir bei Einreise erhielten, erlaubt ausschließlich den Transit durch Turkmenistan. Die Strecke, die wir fahren dürfen, ist hierin aufgelistet und eingezeichnet. Daher nehmen wir an, dass die Einhaltung der Route unterwegs durchaus kontrolliert wird. Wird sie aber nicht. Wir treffen zwar viele Kontrollstellen mit Soldaten, überprüft werden wir aber nie. Ab und an sehen wir die Stationen zu spät und sausen durch, verfolgt werden wir deswegen aber erfreulicherweise nicht.

Die schlechte Laune verfliegt schnell, das Fahren bringt uns Spaß obwohl es wieder fies kühl ist. Die Straße ist  brauchbar und die Landschaft um uns herum ist nun nicht mehr steppig, sondern wüstig. Kamele sehen wir trotzdem nur wenige. Ab und an treffen wir auf Ziegen oder Esel, aber nur in der Nähe von Dörfern. In Wurfnähe der Straße tummelt sich Plastikflasche neben Plastikflasche. Die Anzahl der Fahrzeuge, die uns hier an einem Tag begegnen, rechtfertigen diese Abfallmenge eigentlich nicht. Wenn man den Plastikstreifen ignoriert bringt die Landschaft aber durchs Freude.

Traditionell waren die Turkmenen Normaden, historische Bauten sucht man hier daher vergeblich. Aber das ist ja auch nicht das Ziel, das Tor zur Hölle wollen wir sehen. Die Wüste Karakum ist, gerade in der Umgebung des kleines Dorfes Darvaza reich an Erdöl und Gasvorkommen. 1971 stießen Geologen zufällig auf eine mit Erdgas gefüllte unterirdische Höhle, bei Bohrungen brach sie dann zusammen. Das Verbrennen von Methan ist weniger schädlich als es ungehindert strömen zu lassen und das Auffangen war nun schwierig geworden, daher: gesagt, getan! Entgegen der Erwartungen verlosch das Feuer jedoch nicht nach einigen Tagen, sondern es brennt noch heute.

Für die letzten 10 Kilometer brauchen wir etwa eine Stunde. Eine verdammt anstrengende Stunde. Mühsam kämpfen wir uns mit den vollgepackten Mopeds durch den Sand zum Krater. Wenigstens frieren wir nicht mehr. Meine Arme sind völlig lahm, als wir ihn endlich sehen. „Nicht sehr groß“ ist mein erster Gedanke, muss ich zugeben. Beeindruckt bin ich trotzdem. Es weht ein starker Wind und treibt den Gasgeruch, der dem unseres Herdes Zuhause erstaunlich gleicht, vor sich her. So wissen wir schon mal, auf welcher Seite wir nicht zelten.

Der Weg zum Krater ist lang und sandig.

Da hilft nur: Gas geben!

Aber die Kombination aus „viel Gepäck“ und „fast abgefahrenem Hinterreifen“ ist dann doch nicht das Richtige für diesem Untergrund.

Dafür entstehen keine Schäden, wenn man sein Moped im weichen Sand mal umwirft 🙂

Ganz allein sitzen wir am Tor zur Hölle mit nichts um uns herum und kochen uns erst einmal eine Suppe. In der Dämmerung kommen dann doch noch Besucher, ein PKW mit einer Clique aus Aşgabat, erstaunlich viele für den einen Wagen. Sie kennen sich bereits aus der Schulzeit und sind alle wie wir zum ersten Mal am Krater. Großartigerweise teilen Sie Obst und Cognac mit uns und ich muss sagen, beides passt erstaunlich gut an diesen Ort. Das Feuer brodelt jetzt rot im Krater und wärmt die kühl gewordene Umgebung deutlich an. Das ausströmende Gas und die Flammen sind richtig laut.

Im Hellen ahnt man schont ein wenig…

…was einen in der Dämmerung erwartet.

Kuschelig warm da unten.

Später am Abend sind wir wieder allein, richtig dunkel wird es jedoch nicht, am Himmel leuchtet der Vollmond und in der Schlucht das Feuer. Beide zusammen ergeben ein tolles Schattenspiel. Rundherum gibt es nichts, soweit das Auge reicht. Und dann findet eine kleine SMS ein winziges Signal und rutscht durch. Thore schreibt: „Pauli – Freiburg 1:0“ was für ein Abend!

Da fehlte dann nur noch die Flasche Rotwein, aber immerhin gabs ein wenig Cognac aus Plastikbechern.

Am nächsten Morgen trinken wir in aller Ruhe Kaffee und schauen noch ein wenig ins Feuer. Etwas schwer fällt der Abschied, zumal wir uns jetzt wieder durch diesen verflixten Sand wühlen müssen!