Unser Weg führt uns einen Großteil der Strecke über 4.000 Meter Höhe, daher bleibt es weiterhin kühl und vegetationsfrei. Und obwohl die Pamirs unter Touristen in Zentralasien ein bevorzugtes Reiseziel sind treffen wir keine. Für organisierten Tourismus ist es vermutlich zu spät im Jahr und Individualreisende sind schlicht aufgrund der Größe der Region nur durch Zufall zu finden. Wir planen jedoch – sollten wir die Strecke schaffen – die auf vielen Websites erwähnte Pamir Lodge als Heim zu wählen, somit werden wir dort mit Sicherheit mal wieder auf andere Reisende treffen.

Henning ist weiterhin alles andere als fit. Wir verlassen daher schon nach kurzer Fahrt den Weg zum Wakhan-Korridor und wählen die kürzere und vermeintlich bessere Straße direkt nach Khorog. Die Straße als gut zu bezeichnen ist jedoch lachhaft. Hoffentlich kommen wir hier ohne größere Schäden durch! Immer mal wieder halten wir an Schranken und lassen uns und unsere Mopeds in Schulkladden eintragen. Es mag jedoch vorgekommen sein, dass wir mal eine oder auch zwei Stationen übersahen, der Vorgang ist auf Dauer doch recht nervig und die Soldaten sind nur bedingt motiviert, die öde und weitestgehend sinnfreie Registrierung vorzunehmen. Bilden sie hier eine Telefonkette, sollte einmal jemand gesucht werden? Ärger haben wir aber erfreulicherweise weder mit Soldaten, noch mit den Mopeds.

Am sehr späten Nachmittag sehen wir die ersten Büsche und etwas später auch Bäume. Wie hübsch! Der Herbst ist gekommen und so sind einige Blätter gelb und orange. Und plötzlich ist es längst nicht mehr so kalt und sogar Henning grünt wieder durch. Da die Dunkelheit droht, müssen wir uns beeilen unser Zuhause zu finden und können die schönste Strecke des Tages gar nicht so recht genießen.

Die Pamir Lodge ist im Vergleich zu den letzten Homestays wirklich super, objektiv betrachtet ist sie aber vermutlich eher geht so, was unser Glück aber nicht trübt. Hier wohnen Mietzies, wir können wieder selbst kochen, es gibt WiFi und neben zwei WCs westlicher Bauart sind auch zwei großzügige Duschen, jedoch mit faszinierend geringem Wasserdruck, vorhanden. Wenn jemand die WC Spülung betätigt, tröpfelt ca. fünf Minuten lang gar kein Wasser mehr aus der Leitung. Da nicht viel los ist, kommen trotzdem alle gut zurecht und niemand trägt eine Schaumkrone auf dem Kopf. Zur Hochsaison duscht der gut organisierte Reisende dann vermutlich spät nachts oder mittags. (Anmerkung des Korrekturlesers: Als ich nachts gegen 3.30 Uhr mal kurz raus musste, war da doch tatsächlich irgendein irrer Asiate, der gerade seine Wäsche wusch…).

Endlich wieder Internet…

…und Mietzies!

Den nächsten Tag verbringen wir mit Thomas, der die Strecke – wie eigentlich die meisten Reisenden – entgegengesetzt unserer Fahrtrichtung mittels Geländewagen bereisen möchte. Wie sabbeln viel, schauen uns die Stadt an und futtern uns kugelig. Evtl. wurde auch noch das eine oder andere Bier konsumiert, aber das lässt sich jetzt wohl nicht mehr nachprüfen. Unglaublich viele Kinder wohnen hier. Wie auch die Erwachsenen sind sie westlichen Touristen gegenüber sehr aufgeschlossen und wir haben eine Menge Spaß in Khorog.

Kleines Volleyballmatch mit den Kids auf dem Platz der benachbarten Schule. Es spielten: Schulkinder (in Schuluniform) gegen nicht-Schulkinder (links zu sehen in bunt). Warum diese nicht zur Schule gingen, konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen.

Albi und Thomas auf dem angrenzenden Spielplatz.

Es wird Herbst in Tadschikistan.

Während Thomas am nächsten Tag Richard als Reisekumpanen und beide zusammen ein geeignetes Fahrzeug samt Kutscher finden, findet Henning leider seinen verrenkten Magen wieder. Daher bleiben wir noch zwei weitere Nächte, bis Henning, bzw. doch eher der Schatten seiner selbst wieder das Moped besteigen kann.

Die Strecke führt uns entlang der afghanischen Grenze. Links liegt der Grenzfluss und recht türmt sich das Gebirge auf. Wirklich schlechter Asphalt wechselt sich mit steiniger und staubiger Piste ab. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit liegt gefühlt bei minus 20 km/h und Henning wird immer blasser. Das ursprünglich geplante Ziel, Kalaikhum, erreichen wir nicht, sondern übernachten statt dessen im einzigen Homestay eines winzigen Dorfs auf der Strecke. Voller Stolz verspeist Henning einen gesamten Apfel und ich mache mir wirklich Sorgen. (nochmal kurze Anmerkung: Ich hatte auch auch drei Bissen Brot und ein paar Löffel Reis! Ehrlich!).

Und zum Schluss noch ein Foto für Michelle 🙂