Ganz wunderbar haben wir geschlafen! Allerdings wurde es nachts saukalt und ist es jetzt noch. Brrrrr! Wir ziehen daher nahezu alles an, was wir dabei haben, frühstücken kurz und machen uns wieder auf den Weg. Es ist nicht weit bis Almaty, aber wir werden nicht schnell fahren können. In der Steppe ist man ungestört, aber innerhalb der Orte und in der Nähe von Siedlungen finden sehr viele Verkehrskontrollen statt. Ich wundere mich immer wieder, wieviele Polizisten und Soldaten gelangweilt herumsitzen müssen. Bisher hatten wir viel Glück in Kasachstan, meist sollten wir nur Fragen zu unserer Herkunft, den Mopeds oder der Reise beantworten, vielleicht einmal den Pass zeigen. Die laut Auswärtigem Amt so furchtbar wichtige KfZ-Versicherung (es drohen hohe Strafen!!!) und die Touristenregistrierung (Ausreiseverbot!!!) hat tatsächlich noch nie jemand sehen wollen.

Ein Dörfchen reiht sich ans nächste, und so kommen wir nur langsam voran. Am Straßenrand werden jetzt nicht nur Melonen und Äpfel, sondern auch Tomaten und Paprika verkauft. Die Landschaft ist längst nicht mehr so platt und etwas grüner geworden.

Wenn es mal etwas mehr sein darf: Reis, Mehl usw. werden hier gerne in größeren Gebinden abgegeben.

Die nächsten Soldaten wollen es dann wissen: Pässe und Fahrzeugpapiere sollen wir zeigen. Nun gut. Sehr interessiert schaut sich ein Soldat meinen Pass an, während der nächste schon Hennings Gepäck sehen will. Die Frage: „Amerikaner?“ irritiert mich dann doch etwas. Was hat er sich denn Spannendes in meinem Pass angeschaut, wenn nicht meine Nationalität? Der andere Soldat lässt sich alles ganz genau zeigen. „Hä??“ grunzt er immer wieder und hebt einen Gegenstand aus Hennings Koffer synchron mit seinen Augenbrauen hoch. Henning benennt dann den Gegenstand mit pantomimischer Untermalung: „Zahnpasta“, „Deo“, „noch ein Deo, das andere ist fast leer“. Der Soldat geht frustriert zum nächsten Koffer über: „Wodka? Zigaretten? Drogen?“ Leider nein. So schaut er Motoröl, Werkzeug und Klamotten an. Ich mache mir etwas Sorgen, weil in Hennings Koffer auch ein Teil der Medikamente ist. Aber in das Täschchen will er glücklicherweise nicht schauen. Obwohl „mein“ Soldat mich schon weitergewunken hatte, nachdem wir uns über das kalte Wetter verständigt hatten, will Hennings Soldat dann doch lieber auch noch mal mein Gepäck anschauen. Der braucht wohl ein Erfolgserlebnis. Nachdem ich die Nutzung von Kaltwachsstreifen pantomimisch vorführe ist der Zauber aber vorbei. Männer sind so leicht zu erschrecken. Schade, als nächstes hätte ich die Tampons ausgeschüttet. Also packen wir alles wieder ein und zurren es fest, ich verteile noch einige Bonsche zum Trost und dann fahren wir weiter.

Diese beiden russischen Kollegen haben wir am Straßenrand getroffen, allerdings auf dem Weg in die andere Richtung, so dass es bei dem kurzen Treffen blieb.

In Almaty wohnen wir nicht ganz zentral, dafür aber in einem sehr hübschen Hotel. Anfangs schauen sie uns dort recht irritiert an, sowohl die Mopeds als auch wir sind sehr staubig, später jedoch sind alle ganz reizend zu uns. Ich liege ewig in der heißen Badewanne. So ewig, dass ich das Wasser ablasse und mehrere Minuten in der trockenen Wanne liegen bleibe, bis mir nicht mehr schwindelig ist. Henning ist da etwas geschickter. Frisch gewaschen und gekämmt (Anm. des Korrekturlesers: Nur einige von uns :-)) suchen wir am späten Nachmittag das Hotelrestaurant auf. Zum Glück gibt es hier rund um die Uhr etwas zu beißen. Außer uns ist nur ein weiterer Tisch belegt, der dafür umso mehr. Diverse Herren fröhnen hier dem Hochprozentigen und sind bester Stimmung. Das Personal ist etwas in Sorge, ob wir uns gestört fühlen, tun wir aber nicht. Henning bekommt kurzerhand ebenfalls einen Wodka und wir erfahren den Grund der feuchtfröhlichen Zusammenkunft: Eine Hochzeit. Die war zwar schon gestern, aber da man sich nur selten sieht, feiert der harte Kern halt heute nochmal. Als wir endlich wieder in unserem Zimmer sind, hat Henning drei Wodka und einen Cognac auf das Wohl des Brautpaares und der künftigen und zahlreichen Nachkommen getrunken. Hennings Ansprache wurde für die Nachwelt aufgezeichnet und ist vermutlich für Interessierte bei Facebook zu sehen. Er hat sich tapfer geschlagen und konnte sich sogar vor dem Huckepackrennen drücken. Eine kleine Lüge bewahrte mich vor dem gleichen Schicksal, vermeintlich Schwangeren wird hier nämlich kein Alkohol aufgedrängt 🙂

In Kasachstan steht man auf monumentale Kriegsdenkmäler.

Almaty ist nicht unbedingt wahnsinnig reizvoll, aber für wenige Tage kann man sich durchaus beschäftigen. Wir versuchen ein Ersatzteil für Hennings GPS zu erstehen (sehr langwierig und lustig, aber leider erfolglos), besuchen das Kunstmuseum (klasse), futtern Sushi (nicht sooo schlecht), butschern durch die Stadt und sehen uns Kirchen und Denkmäler an (wer es mag…), trinken Kaffee (hey, das geht immer) und ärgern uns schwarz über die Turkmenistan-Botschaft, weil wir schon wieder kein Visum bekommen, so ein verdammter Mist! Der Kerl ist dermaßen garstig, dass wir es lieber in Bishkek nochmal probieren wollen. Tajikistan unterhält in Almaty keine Botschaft, daher müssen wir später wegen des GBAO-Permits für den Pamir-Highway noch einen Behördentag einplanen.

Albi mit Kaffee im Café.