Die letzten Rubel packen wir an einer familiengeführten Raststätte auf den Tisch und erhalten Dank der sehr hilfsbereiten und kreativen Dame des Hauses ein eher ungewöhnliches, aber leckeres und vor allem vegetarisches Mittagessen samt zweier kalter Cokes. Satt und bargeldlos machen wir uns wieder auf den Weg. An unserem letzten Tankstop in Russland fahren vier bepackte Mopeds an uns vorbei. „Ach schön, die finden wir mit Sicherheit an der Grenze wieder, vielleicht können wir ja ein paar Tage zusammen verbringen?“ Denken wir noch, irren uns aber. Tatsächlich sehen wir sie nämlich schon früher. In einer kleinen Warteschlange vor einer Brücke stehen sie, wenn wir das provisorische Blechungetüm denn mal Brücke nennen wollen. Zwei polnische Pärchen auf großer Fahrt sind es und außerdem noch unsere Retter. Die Nutzung des Überweges kostet nämlich Geld, ganz wenig nur, aber nun mal Rubel und in bar zu entrichten, was wir nach dem Mittagessen nun nicht mehr können. Freundlicherweise übernehmen die vier unsere Brückenmaut, sodass wir Hennings Körper nicht verkaufen brauchen. Und da wir das gleiche ehrgeizige Tagesziel – Atyrau – haben, bleiben wir zusammen. Die Wartezeiten an der Grenze geben uns reichlich Gelegenheit uns kennenzulernen. Lukas und Anna unternehmen eine zweijährige Reise, die sie über Kasachstan, Zentralasien, China, Südamerika und die USA führen wird. Die anderen beiden begleiten sie bis China und müssen dann wieder heim.

Poland on Tour.

Der Wechsel von Russland nach Kasachstan ist mit seinen zahlreichen Stationen – teilweise zeigt man nur das handschriftliches Passierzettelchen vom vorherigen Posten vor – zwar aufwändig, aber problemlos zu bewältigen. Die kasachischen Soldaten tragen übrigens ihre Blutgruppe auf die Jacke genäht. Welch praktisches Völkchen!

Da will wohl jemand länger bleiben… Die geschätzten 15 Leute in dem Kleinbus muss man sich halt dazu denken.

Nach dem Übergang tauschen wir für einen Saukurs Dollar in Tenge und erwerben außerdem eine Telefonkarte von einem Vermummten. Der Wind treibt Sand und Staub über die Fahrbahn, die Menschen ähneln mit Ihren Tüchern Tuaregs, jedoch tragen sie zusätzlich noch Sonnenbrillen und modische Kleidung am Körper. Die vier Polen suchen sich erfolgreich telefonisch einen Zimmervermittler und beratschlagen über die Notwendigkeit einer Versicherung. Und dann geht’s los! Rumäniens Straßen waren eine Bobbahn gegen das was uns hier begrüßt. Ich hatte ja keine Ahnung, auf welch verschiedene Arten eine Straße kaputt sein kann. Es gibt Schlaglöcher, abgebrochene Fahrbahnränder, Risse und diese sowohl längst der Fahrbahn als auch quer oder diagonal, Steine auf der Fahrbahn, komplett fehlender Belag, zusammengeschobener Belag der Hügel und Schluchten bildet, die Fahrbahn kann seitlich abfallen, und, und, und.

Kasachische Straße (hier: Schulnote 2) mit Kamel.

Immer wieder sieht man alte, in Deutschland ausrangierte LKWs – oder hier ist einfach jemand ein ganz ganz großer Fan des VfB…

Kasachischer Tankstellentoilettenstandart.

Nu schnell weiter – da hinten kommt Regen.

Wir kommen nicht sehr schnell vorab. Würden wir wahrscheinlich auch bei besserem Untergrund nicht. Sechs Mopedfahrer sind wie ein Haufen Flöhe. Der eine verliert ein Gepäckstück, der nächste macht Fotos, wieder einer muss tanken, ein anderer verliert ein Stück Mopedverkleidung, hier zickt die Elektrik, da hat jemand Durst. Wir haben riesigen Spaß, kommen aber nur langsam durch die Steppe. Und so brechen wir ausgerechnet hier den Vorsatz, nicht im Dunkeln zu reisen. Mit mehr Glück als Verstand erreichen wir alle Atyrau ohne Wildschaden und sonstige Stürze. Unsere vier Gefährten lassen sich einige Unterkünfte zeigen und auch wir finden nach einigen Versuchen eine brauchbare Bleibe inkl. sicherem Mopedparkplatz. Den nächsten Tag nutzen wir für Besorgungen, schließen aus Sorge vor hoher Strafe doch noch eine Fahrzeugversicherung ab und erledigen den Ölwechsel. Unsere vier Polen werden sich selbst und die Mopeds auf den Zug nach Almaty laden, und so fahren wir am nächsten Morgen gut ausgeruht, aber wieder allein zu zweit weiter.

Albi beim Ölwechsel im Hinterhof des Hotels.

Gas- und sonstige Leitungen werden hier noch lustig überirdisch verlegt.