Die Strecke führt entlang der Krisenregion Kabardino-Balkarien und es gibt kaum einen Kilometer Straße, der nicht von Kameras, Polizisten oder Soldaten überwacht wird. Immer wieder werden Fahrzeuge kontrolliert, der Verkehr ist dicht und wir kommen nur langsam voran. Alle fahren sehr gesittet, es ist vollkommen ungewohnt nach den letzten Wochen, nicht, dass wir hier noch die Rüpel sind!
Irgendwann ist es dann soweit, wir werden rausgewunken. Artig zeigen wir unsere Papiere vor, registriert wird man hier in jedem Hotel, daher gibt es auch seitens der beiden Polizisten nichts zu meckern. Also werden wir zügig und nicht unbedingt unfreundlich mit „Heil Hitler!“ verabschiedet. Hm, was antwortet man da am besten? „Danke„? „Trinken wir auf die schönen Frauen„? Wir schauen uns etwas bedröppelt an, nicken zum Abschied und machen uns leicht verstört wieder auf den Weg.
Die Schrift enthält hier jetzt viele bekannte Buchstaben, erst irritiert es sehr, hier und da können wir aber voller Stolz einige Worte erraten. Die Russen sind übrigens eher zurückhaltend, ich habe aber nicht den Eindruck, dass dies unserer Herkunft geschuldet ist. Insgesamt zeigen sie sehr wenig Emotionen, auch wenn ich sie sehr anstrahle, bekomme ich eher selten ein Lächeln zurück. Auch sehr großzügiges Trinkgeld hilft da nicht, hier wird einfach nicht viel gelächelt.

Auf dem Weg von Vladikavkaz nach Pyatigorsk, tatsächlich nur wenige Kilometer vorm Ziel, passiert es dann: das Moped eiert so komisch. Die letzten Kilometer war die Fahrbahn mies, aber das allein ist es leider nicht. Ich komme nun mit beiden Füßen am Boden an, da stimmt was nicht. Wachsen tue ich nämlich schon lange nicht mehr. Mein Hinterreifen verliert Luft. Der Übeltäter ist schnell identifiziert, der Kopf einer Spax glänzt im Profil des Reifens. Am Straßenrand flicken wär schlecht, der Verkehr ist dicht und die Straßen schmal. Zwei Kilometer sind es noch bis zur nächsten Tankstelle. Wir pumpen etwas Luft nach und lassen die Schraube wo sie ist. War wohl die falsche Entscheidung, die letzten Meter müssen wir dann doch schieben.

Da isser, der Übeltäter.

Tankstellen sind in Russland seltsam, aber das erzähle ich euch später einmal, diese ist winzig und leider ohne Kompressor. Wir laden das Gepäck ab und machen uns ans Flicken. Der Tankwart bringt uns eine Flasche Wasser zur Fehlversuche im Schlauch und leiht uns auch eine Handpumpe mit etwas mehr Power als unsere kleine mobile. Ansonsten sehen wir ihn nur, wenn neue Kunden kommen. Die sind meist recht interessiert an uns und erzählen von einer nahegelegenen Werkstatt oder nicken uns bedauernd zu. Zwei packen dann gleich mal mit an. Mit acht Händen ist der Mantel schnell wieder in der Felge. Der eine Kerl ist ganz begeistert von den Mopeds und so lässt Henning ihn – völlig untypisch – mit seinem Moped fahren.

Der Kampf mit Mantel und Schlauch…

…wird schließlich gewonnen. Nun noch ein wenig Kleber auftragen…

…den Flicken gut andrücken und schon: fast wie neu!

Nicht nur sein Freund wird nervös, als er nach einigen Minuten nicht wieder da ist. Da war jetzt schon irgendwie blöd. Kommt der wieder? Baut er einen Unfall? Wir bauen den Reifen wieder ein und halten zunehmend nervöser ausschau. Der andere Jung fängt böse an zu schimpfen. Hm, und nun? Mist, jetzt ist auch noch der Griff der Handpumpe abgebrochen. Der Tankwart ist gar nicht begeistert. Aber dann kommt endlich das Moped zurück. Fahrer und Fahrzeug sind unversehrt. Fahrer strahlt wie ein Honigkuchenpferd, wer sagte noch, die Russen wären so emotionslos?