Yerevan erinnert mit zahlreichen und wie ich finde gelungen, bedrückenden Plakaten an den armenischen Genozid vor 100 Jahren. Das Thema ist hier keinesfalls verziehen oder vergessen, sondern sehr präsent.

Wir haben eineinhalb Tage Zeit für die Stadt, abzüglich der Zeit, die wir für die deutsche und die turkmenische Botschaft benötigen. In ersterer bekommen wir bei unformeller eher herzlicher Stimmung unsere Pässe, die Michelle mit den Visa für Russland und Kasachstan herschickte. Kurzer Abgleich mit den anderen Pässen, das wars. Keine Formulare, keine Unterschriften, kein Geld. Wie wir später erfahren sollen, ist dort noch deutlich mehr Flexibilität vollkommen normal.

Wenig später zurück bei unseren Mopeds spricht uns ein nett aussehender Mann auf deutsch an. „Woher, wohin und bis wann?“ Leider ist unser Besuch zu kurz um noch zusammen Moped zu fahren. Er geht weiter zur Botschaft und wir fahren los. Schon an der ersten Ampel ärgern wir uns schwarz. Verdammt, vielleicht hätte er heute Abend ja Zeit für ein gemeinsames Essen gehabt! Also zurück zur Botschaft. Hiervor lungern wir etwas rum, müssen aber einsehen, dass er Stunden dort bleiben könnte. Wir fragen einfach mal nach. „Meint ihr Thomas?“ „Äh, keine Ahnung. Vorgestellt haben wir uns nicht.“ Müssen wir zugeben. „Der, der auch Motorrad fährt? Das ist Thomas.“ Wir dürfen eine Nachricht für ihn hinterlassen und sind gespannt, ob es klappt.

An der turkmenischen Botschaft gibt es dann schlechte Nachrichten. Unser Antrag ist nicht im System, ein zweiter nicht möglich – hm, warum eigentlich nicht, wenn es den ersten nicht gibt? – und Rückfragen bitte weiterhin an Ankara stellen. Tschüss!
Wir sind etwas traurig, schicken eine weitere Anfrage nach dem Bearbeitungsstand nach Ankara und schmieden Pläne, heimlich in der nächsten Botschaft einen neuen Visaantrag zu stellen. Vielleicht in Tiflis? Der unfreundliche Kerl hat das Zeug doch bestimmt in die runde Ablage getan.

Aber Thomas hat sich gemeldet, wir dürfen ihn Zuhause besuchen und freuen ins riesig!  Bis dahin besichtigen wir die Stadt und ersetzen Hennings Turnschuhe durch ein neues Paar, nachdem ich ihm überzeuge, die Sohlen nicht nochmal festkleben zu lassen. Hallo? Jetzt reicht es aber! Eine Ausstellung über den Genozid können wir leider nicht besuchen, montags sind auch hier die Museen geschlossen. Aber es gibt trotzdem genug anzusehen.

Kirche in Yerevan in für unsere Augen untypischem Stil.

Gleich nebenan: armenisches Mehrfamilienhaus im Zentrum Yerevans.

Kunst, Teil 1.

Kunst, Teil 2.

Dieses Wauzi-Bild haben wir extra für Michelle gemacht 🙂

Man kann hier übrigens alles einzeln kaufen, sogar Schmerztabletten und Putzlappen, wie uns Thomas und Rico am Abend erklären. Die beiden haben sich vor 18 Jahren in Yerevan kennengelernt und durch Zufall hat es sie zur gleichen Zeit wieder weg aus Deutschland und zurück in die Stadt verschlagen. Also der perfekte Umstand für eine WG. Heute ist auch Holger zu Besuch, ein Lehrerkollege von Thomas. Die Auslandsarbeit finde ich sehr spannend. Als Lehrer ist dies „relativ“ einfach darstellbar, Thomas bleibt insgesamt drei Jahre, eines hat er bereits hinter sich. Seinen Urlaub verbringt er in Deutschland bei seiner Frau und sie Ihren in Yerevan bei ihm. Abends skypen sie. Ich bewundere das sehr und werde noch die nächsten Tage immer wieder darauf rumdenken. Wir verbringen einen tollen Abend mit spannenden Gesprächen, lachen viel, futtern lecker und trinken vielleicht ein wenig zuviel Alkohol. Jedenfalls bin ich dem nächsten morgen etwas müde. Unbedingt empfehlen möchte ich den armenischen Weinbrand und bevor ihr fragt, nein, wir haben jetzt keinen mit auf dem Moped. Aber Zuhause werde ich welchen kaufen.

Und weil alles so schön ist, kommt die Visazusage für Turkmenistan auch noch per e-Mail!

Abends bei Thomas mit Holger und Rico.