Kann man wirklich einen ganzen Monat in einer Stadt am anderen Ende der Welt verbringen, ohne sich das einzigartige Land anzuschauen? Ja, das kann man. Sydney macht es einem leicht, gerade wenn man aus Hamburg kommt. Aber dazu später mehr, erst einmal berichte ich von dem Ausflug, den wir dann doch außerhalb der Stadtgrenzen unternahmen.

Aus Gründen, die ich heute nicht mehr nachvollziehen kann, überzeugte uns die nette Dame bei Avis, unser unter vernünftigen Maßstäben ausgewähltes Fahrzeug in einen Panzer upzugraden und so fühlen wir uns, als würden wir ins Outback aufbrechen und nicht in einen Nationalpark. „Die Blue Mountains müsst ihr sehen!“ schrieb Gordon, und das haben wir heute vor. Der Australier fährt Auto, wie er alles andere auch tut, ganz entspannt. Und auf Rücksicht auf Leute wie uns, malt er immer mal wieder Pfeile auf die Fahrbahn, so ist das Fahren auf der linken Fahrbahn auch kein Problem.

Der Panzer ist kurzerhand mit Verpflegung und halbwegs festem Schuhwerk bewaffnet. Okay, wir hätten das Zeug auch in einem Fahrradkorb untergebracht, aber nun ist die riesige Karre ja schon mal da. Mit den Lebensmitteln kommen wir auch gut zurecht, nur die Schuhe ignorieren wir irgendwie. Nach Monaten in Sicherheitskleidung bei noch so abwegigen Temperaturen traben wir nun auf Flip-Flops durch den Wald, als spazierten wir daheim durch Planten un Blomen. Ich werde das bereuen und am Ende des Tages meinen rechten Fuß reichlich bepflastern, Reuschi geht unverletzt aus unserem Abenteuer hervor. Männer halt, die lernen sowas schon in der Armee. Naja, heute auch nicht mehr.

Die Blue Mountains haben ihren Namen von dem feinem Nebel, den die Blätter des Eukalyptus ausdünsten, und der in der Sonne bläulich schimmert. Hiervon sehen wir jedoch heute nichts, es ist ein sehr bewölkter Tag. Statt dessen werden wir von einer riesigen grünen Hölle verzaubert. Uns umgeben beeindruckende Sandsteinberge von über 1.000 m Höhe, unendlich viele Bäume, Sträucher, Farne, Gräser, Moos, ab und zu einige Blumen, Salamander flitzen in Felsspalten, riesige, wirklich laute Vögel kreischen und immer wieder tauchen kleinere oder größere Wasserfälle auf. Es ist wirklich unglaublich schön!