Auf der Insel leben einige Katzen. Gar nicht so wenige übrigens. Mager und etwas zerrupft warten sie am Wegesrand auf Vorbeikommende und maunzen dann ganz herzzerreißend. Und die Quote ist nicht so schlecht, scheint mir. Hier und da fällt mal etwas ab und der eine oder andere findet ein temporäres Zuhause in einer der Hütten.
Wir adoptieren den Kater Streicher, der der mickrigste der Bande zu sein scheint. Henning benennt ihn in Streichwurst um und irgendwie bleibt es dabei. Er ist nicht nur klein und dünn, Nase und Hals haben deutliche Kratzer, man ahnt schnell, dass er nicht der größte Kämpfer auf dieser Insel ist. Und daher hat Streicher das steinerweichende Maunzen perfektioniert. Selbst wenn er pappsatt ist, maunzt er noch, als hätte er noch nie in seinem Leben etwas gegessen. Aber mit den Tagen wird es besser, schließlich bringt er sogar Tüpfelchen mit und teilt das Futter mit ihr.

Nach ein paar Tagen schleppte Streicher dann auch noch Tüpfelchen an, vermutlich seine Schwester. Wir waren dann am Sushi-Buffet noch etwas gieriger…
Der kleine Kater schnurrt auf diese Art, die beim Zuhören glücklich macht. Melodisch und warm, irgendwie mit Inbrunst und trotzdem ohne Mühe. Jeder, der ohne Katze leben muss, kann einem nur leid tun. Obwohl sich Katzen gern versorgen lassen, sind sie nicht käuflich. Vielleicht doch, aber man nur kurze Zeiteinheiten ihrer Gunst kaufen, muss immer wieder nachlegen. Ein Abo quasi, das die Katze jederzeit beendet, wenn sie etwas Besseres entdeckt. Und dann plötzlich, wenn du es nicht erwartest, es dir nicht verdient hast und es dir vielleicht grad nicht einmal passt, schenkt sie dir ihre Zeit. Und manchmal tröstet sie dich sogar, wenn du es wirklich nötig hast.

Historischen Quellen nach war Filitheyo früher das Irrenhaus der Malediven. Alle, die in diese Kategorie gesteckt wurden, wurden hierher verschifft und sind schließlich auch hier gestorben.
Wir sorgen uns ständig, ob Streichwurst und Tüpfelchen wohl nach unserer Abreise einen neuen Touristen finden, der sie versorgt. Mittlerweile glänzt sein Fell und er ist nicht mehr ganz so dünn, auch seine Kratzer heilen langsam. Und Tüpfel ist sowieso bildhübsch. Charles Dickens brachte es uns bei, nur die hübschen Waisenkinder bekommen neue Eltern. Somit stehen die Chancen gut, würde ich sagen.
Filitheyo verabschiedet uns mit einem sensationellen Sonnenaufgang in rosa, orange, rot und violett, garniert mit dunklen Wolken und einigen Mückenstichen. Nun ja, so muss es wohl sein, auch das Paradies gab es bekanntlich nicht ohne Schlange.
Hallo ihr Zwei,
die Insel hätte man nicht schöner beschreiben können. Da packt uns doch gleich wieder das Fernweh nach Filitheyo….
Liebe Grüße aus der Heimat
Michaela & Jens