Egal wo man hinschaut, ständig ist jemand damit beschäftigt, es uns schön zu machen. Tatsächlich ist es natürlich daheim genauso, schließlich gibt es Straßen, Parks, Geschäfte, Schulen, Restaurants, Autos, usw., Ihr wisst es ja selbst. Aber in dieser Mikroinselwelt ist es sehr viel präsenter und außerdem habe ich nichts zu tun.
Filithyo ist das, was man als „naturbelassen“ bezeichnet. In der Praxis bedeutet dies, dass wenig Flächen versiegelt sind und Pflanzen nicht auf Beete begrenzt werden. Sprich, es gibt viel zu tun, damit der Dschungel sich die Wege und den Strand nicht zurück erobert. Ständig werden Kokosnüsse gesammelt, Büsche und Äste entlang der Wege abgehackt und Strandflächen geharkt, um Blüten, Blätter und Früchte zu entfernen. Wir werden bekocht, mit Getränken und Handtüchern versorgt, ich kann es gar nicht alles aufzählen. Wie von Zauberhand ist immer alles da, was man grad so braucht. Es ist etwas unheimlich.
Neben unserer Veranda zum Beispiel steht ein Fass mit Frischwasser und einer Kelle aus Kokosnuss, damit wir den Sand von den Füßen spülen können, bevor wir in die Hütte gehen. Ich bin damit wenig sparsam und so sieht man den Wasserspiegel während des Tages deutlich sinken. Und plötzlich ist die Tonne wieder voll. Doch niemals habe ich jemanden gesehen, der sie auffüllt. Den Herrn dagegen, der unsere Hütte putzt, kennen wir durchaus. Morgens haben wir ein gutes Timing, am Abend aber will er immer grade dann putzen, wenn wir auch dort rumlungern wollen. Vielleicht dient das der Umsatzsteigerung im Barbetrieb? Wie auch immer, mal gewinnt er, mal wir.
Waren wir noch vor kurzem blass wie Tofu, sehen wir nun aus wie Schokoladeneis. Wenigstens fast. Ich jedenfalls war noch nie so braun. Jeder Berufstätige wäre beschämt und der Hautarzt entsetzt. Aber, dank Lichtschutzfaktor 30 und viel Schatten kommen wir immerhin an einem Sonnenbrand vorbei.
Die Tage plätschern wie das Meer, Henning geht Tauchen, er ist auf der Suche nach den ganz großen Fischen, nach Schildkröten, Rochen und anständigen Haien. In der Nähe des Strandes sind die Tiere nicht so groß, trotzdem beeindrucken mich auch die kleinen Haie sehr.
Ich schnorchele hier das erste Mal, also so richtig, meine ich. Erst finde ich es etwas beängstigend, überall um mich herum sind Fische, richtig viele Fische. Aber Sorge machen mir eher die Korallen, manche sehen aus wie Hirn, eklig, keinesfalls will ich da aus Versehen rauftreten. Aber irgendwann habe ich den Dreh raus, das Atmen durch den Schnorchel passiert von allein und auf einmal ähnelt Schnorcheln dem Träumen. Man sieht zu und ist gleichzeitig dabei. Die Geschwindigkeit ist reduziert, Geräusche leiser aber trotzdem deutlicher, die Farben etwas pastelliger und außerdem fehlt der Geruch. Es ist wirklich wunderschön.
(Anmerkung des Tauchers: An dieser Stelle vielen Dank an Pierre und vor allem „die Schweizer“, die mich nach unserem gemeinsamen Tauchgang mit ein wenig Bildmaterial versorgten.)
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