Die Fahrt zwischen Esfahan und Yazd ist mal wieder – wie könnte es auch anders sein – verdammt saukalt. Eisiger Wind treibt uns über die Berge. Sollte es nicht endlich mal flach werden? Gegen Mittag stoppen wir für einen heißen Tee, jedoch ohne Erfolg. Der Benzinkocher ist wieder verstopft, so ein Riesenmist. Eine Gruppe Iraner lädt uns zu ihrem Tee ein, aber wir sind genervt und ungesellig und lehnen daher ab.

Wir hatten vor heute Nacht unterwegs zu zelten und erst morgen nach Yazd zu fahren, aber ohne Kocher bei den kalten Temperaturen bringt uns das wirklich keinen Spaß. Also fahren wir durch.

Yazd hat sich zum großen Teil sein altes Stadtbild erhalten. Aus sonnengetrocknetem Lehm erbaute Häuser bilden enge Gassen mit runden Formen in einem hellem Beigeton. Vor allem Mopeds und Fußgänger, aber auch Autos drängeln sich durch das enge Wirrwarr, die Hupe ersetzt an unübersichtlichen Stellen die Hellsichtigkeit der Fahrer. Und weil alles so schön erhalten ist, spucken bunte Busse Touristen heraus, die in großen Gruppen durch die Altstadt spazieren. Somit gehen wir ganz wunderbar in der Masse unter.

Wir wohnen in einem traditionellen Haus, in dem winzige Kammern mit kleinen Oberlichtern um einen wunderschönen Innenhof gebaut sind. Und da es nun ein Hotelleriebetrieb ist, ist der Hof plexigläsern überdacht und kann ganzjährig als Lobbyersatz und Frühstücksraum genutzt werden. Um einen Springbrunnen und eine Gasfeuerschüssel stehen diese bettartigen Sofas herum und Teppiche und Kissen sorgen für Gemütlichkeit. Tee gibt es rund um die Uhr zur eigenen Bedienung, und so kommen wir immer mal wieder mit anderen Hotelgästen ins Gespräch. Von den Dachterrassen aus bekommt einen tollen Überblick auf die Lehmstadt, am Abend sogar in blau beleuchtet, geboten.

Der Hotelier ist speziell. Mittelgroß, jung, stark übergewichtig, stets komplett in Jeans gekleidet und wir erkennen ihn schon nach kurzer Zeit blind an seinem Körpergeruch. Da unser Zimmer eigentlich ein Einzelzimmer ist, wurde mit seiner Hilfe und unter großer Anstrengung ein zweites Bett hineingequetscht. Wir lüften recht lang in den Hof, bis wir den Geruch der ‚Kralle‘ wieder aus dem Zimmer verscheucht haben. Die Kralle? Ja. Neben einer mühevoll geföhnten Haartolle lässt der Herr auch die jeweils letzten drei Nägel seiner Hände auf eine beeindruckende Länge wachsen. Am Tag zwei versucht er uns mit seinem inflationär eingesetzten „Excuse me, guys“ in ein anderes Hotel umzuquartieren, was dann aber doch irgendwie ausfällt. Was für eine Type!

Wie wir lernen, befinden wir uns gerade im Muharram, dem Trauermonat der Schiiten und Aleviten. Dieser gibt den Menschen die Möglichkeit, in großer Dramatik mit viel Tränen und Geschrei den Tod der 11 Imame zu betrauern. Und außerdem kann man die Zeit auch nutzen, um sonstigen Kummer und Weltschmerz herauslassen. Vermutlich eine sehr gesunde Angelegenheit! Und ist das vielleicht auch der Grund, dass sich wirklich fast alle Frauen mit diesen riesigen schwarzen Tüchern verhüllen?

Trotz der durchaus vorhandenen Touristen, die man jedenfalls an den einschlägigen beigeblaufarbenen Sehenswürdigkeiten immer wieder antrifft, werden wir sehr oft um ein Foto gebeten. Irgendwie müssen wir eigenartig wirken, wir wissen aber noch nicht warum. Eine Bankerin fotografiert mich sogar heimlich mit ihrem Mobiltelefon, als ich dort Geld wechseln möchte. Verschämt schaut sie weg als ich sie erwische. Und Geld tauscht sie übrigens nicht. Denn Rial kann man scheinbar wirklich nur in Wechselstuben kaufen. Wir finden keine Straßenhöker und auch die Teppichhändler und Banken schicken uns zu den Wechselstuben. Ein wirklich ungewöhnliches Land zurzeit!

In Yazd finden wir ein Restaurant, das unter anderem mit vegetarischer Küche wirbt. Da müssen wir natürlich unbedingt hin. Jedoch ist ein Großteil der vegetarischen Gerichte auf der Karte gestrichen und somit nicht verfügbar. So bestellen wir einfach die übrigen vegetarischen Gerichte. Wir bekommen zwei recht leckere Speisen aus püriertem Gemüse mit Brot. Weiterhin jeweils doppeltes Besteck und zwei leere Gläser zusätzlich zu unseren beiden vollen. Außerdem erhalten wir das Gericht, bei dem man vermeintlich nichts falsch machen kann: Pizza. Diese ist jedoch kaum als solche zu erkennen da jemand mit ausgesprochen ruhiger Hand die Mühe auf sich nahm, dicht an dicht Kreise aus abwechselnd Ketchup und Mayo auf die Oberfläche der Pizza zu zeichnen. Vollkommen verrückt sind sie hier!