Die Einreise in den Iran ist trotz erhöhtem Aufwand durch das Carnet de Passage total schnell erledigt und dank neuer Uhrzeit sind wir sogar früher ein- als aus Turkmenistan ausgereist. Wer meint, er hätte Zeit gewonnen, irrt jedoch, um 16:30 wird es dunkel. Da könnten Heimatgefühle aufkommen, tun sie aber nicht.

Iran hat nicht nur eine eigene wunderschöne Schrift, sondern nutzt auch eigene Zahlen. Praktischerweise werden diese jedoch von links nach rechts gelesen und sind Dank der Übersetzung auf den Straßenschildern, die zwar der Geschwindigkeitsbegrenzung dienen sollen, dies aber es nicht tun, für den gelangweilten Motorradfahrer schnell gelernt.

Die Straßen sind gut, tatsächlich wurden sie länderweise stetig besser, die Landschaft ist erst noch auenländisch durch den Komet-Dag, später wird sie flacher und landschaftlich genutzt. Tja, und die Orte? Übel. Da kommt erst mal keine Freude auf. Straße, dann ein schmaler Streifen der als Gehweg dient, nennen würde man ihn so sicher nicht, daran grenzen die Gebäude, im Erdgeschoss gewerbliche Nutzung, bevorzugt aus dem Bereich KFZ-Instandsetzung, auskragendes Obergeschoss, vermutliche Wohnnutzung. Zusätzlich sehen die Gebäude so aus, als wären sie erstens nie und zweites schon vor sehr langer Zeit fertiggestellt und dann niemals mehr gewartet worden. In Kombination mit dem derzeit bedeckten und kühlen Wetter kommt die gute Laune nicht von ganz allein.

Kurze Mopedpause in wenig charmantem Ambiente.

Den ersten Ort, dessen Namen ich verdrängt habe, verlassen wir direkt nach Besichtigung des einzigen Hotels, im zweiten bleiben wir, nun ja, weil es dunkel geworden ist. Unser Zimmer ist mittelmies und dafür eigentlich zu teuer. Aber wir haben einen tollen Parkplatz im Lagerkeller und irgendwie sind die Leute auch sehr süß zu uns.

Auf der Straße finden wir trotz großer Mühe niemanden, der US $ in Rial tauscht, die Dame hinterm Hoteltresen rettet uns aber schließlich aus der misslichen Lage der Mittellosigkeit und wir kaufen uns für unglaublich wenig Geld einige Lebensmittel. Von dem Zimmerpreis könnten wir uns sechs Monate ernähren.

Bei Regen und Kälte geht’s dann weiter, der Wettervorhersage folgend müssen wir dringend weiter gen Süden, schneller auch, als wir es schaffen können. Und so verbringen wir eine völlig verregnete Nacht im Zelt zwischen Schnellstraße und Nationalpark. Während wir das Zelt aufbauen, hackt ein Mann heimlich Holz für den Heimgebrauch. Zu unserem Glück fällt er nicht den gesamten Grünstreifen und wir sind von der Straße kaum zu sehen, nun ja, jedenfalls nachdem wir den Benzinkocher ausgestellt haben. Ganz ohne heißen Tee ging es einfach nicht.

Da mit trockenem Wetter und trockenem Zelt heut wirklich nicht mehr zu rechnen ist, brechen wir früh auf und schwimmen weiter Richtung Teheran.

Das Wetter könnte besser sein…