Es nieselt, es regnet, es ist kalt. Und spätestens als wir das Elburs-Gebirge erreichen, wird es auch noch neblig. Vielleicht fahren wir auch einfach durch die tiefhängenden Regenwolken, oder beides, vom Nebel in die Wolken und wieder runter in den Nebel. Jedenfalls ist die Sicht beschissen und meine Finger sind starr vor Kälte. Nicht jeden iranischen Autofahrer motiviert die eingeschränkte Sichtweite das Licht einzuschalten. Häufig, aber nicht immer, schaltet er jedoch den Warnblinker während des Überholvorgangs ein. Viele blinkende Lichter weisen also nicht auf eine Baustelle hin, wahrscheinlicher ist es, dass gerade drei Autos nebeneinander ein weiteres überholen. Baustellen würde man eher an einem roten Fähnchen erkennen oder halt an der Baustelle selbst.
In Teheran werden müder Geist und müder Körper schnell wieder wach. 12 Millionen Einwohner und scheinbar alle auf der Straße. Ich denke nicht, dass man sich als Europäer auf diese Fahrweise vorbereiten kann. Fahrspuren, Fahrtrichtungen, Geschwindigkeiten, Vorfahrtregelungen, Ampeln, all das zählt nicht mehr. Es wird einfach gefahren. Lücken werden nicht abgewartet, sondern geschaffen. Ausfahrt verpasst? Egal, rückwärts zurück. Halten kann man überall, auch mitten im Kreisel. Und zwischendrin unzählige Mopeds, gern mit riesigen Windschildern und oft auch mit einem Dach, das an eine Kioskmarkise erinnert. Sie huschen vollkommen verrückt kreuz und quer durch die unberechenbaren Automassen. Was für ein Trubel!
Wir sind froh, als wir endlich ein Hotel für die Mopeds und uns gefunden haben. Das Zimmer ist wirklich schön, und bevor wir Zelt, Schlafsäcke und Klamotten zum Trocknen verteilt hatten, war es auch sauber. Davon sieht man bei unserem Auszug am nächsten Tag nur noch wenig. Ich schäme mich etwas. Die Wettervorhersage kündigt noch böslichere Kälte und Regen an, daher flüchten wir nach einer Nacht weiter gen Süden ohne Teheran anzuschauen.
Motorräder, wie wir sie kennen, gibt es hier nicht. Es tummeln sich unzählige Mopeds zwischen 50 und 250 ccm Hubraum in den Städten, außerhalb dieser scheinen sie aber nicht genutzt zu werden. Auf den Mautstraßen sind sie verboten, als Folge dessen fahren wir dort kostenlos herum.
Die Orte erscheinen weniger unfertig und gepflegter als in den ersten Tagen, jedoch werden auch die Übersetzungen der Straßenschilder seltener. Umso mehr freue ich mich, wenigstens die Zahlen lesen zu können. Den Rest müssen die Navis regeln. Die beiden Garmins sind jedoch nur bedingt ein Quell der Freude. Längst lassen sich beide nicht mehr regulär am Moped laden, meines hängt sich außerdem regelmäßig auf. Wir sind ihm dann gern mal einige Kilometer voraus, oder auch einige hundert. Aber es zeichnet noch fleißig auf, das ist doch auch schon mal was.
Allein muss man im Iran nicht sein. Bei jeder Pause halten Autos, wir werden liebevoll begrüßt, willkommen geheißen und fotografiert. Wir bekommen Streckentipps und Tee und revanchieren und mit Bonbons und Gegenfotos.

Kurz angehalten, um ein paar Kekse zu essen – und schon besuchen uns zahlreiche Familien, und wir bekommen sogar Tee geschenkt (hat man hier in Thermoskannen wohl immer dabei).
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