Es ist heiß und sonnig und wir flüchten in die Berge. Kaçkar heißt das Gebirge hier und ist sehr imposant. Im Gegensatz zur kahlen und schattenlosen Trockenheit an der Küste ist hier sehr viel Grün. Eine sehr willkommene Abwechslung. Es ist Sonntag, daher sind sehr viele Wochenendausflügler zum Picknick unterwegs.
Zum Picknick gehört, neben der ganzen Familie, die zwingend einzupacken ist, eine Vielzahl an Sitzgelegenheiten, vorbereitete Nahrungsmittel für ein ganzes Dorf, ein Grill und eine Teekanne, wobei das Wort „Teekanne“ das tatsächliche Gerät kaum zutreffend beschreibt. Hierzu gehören eine Gaskartusche – gern vier bis achtmal größer als man sie vom Campingkocher kennt – mit Brennstelle, eine Kanne mit heißem Wasser sowie drübergestapelt eine Kanne mit Tee. Dieser wird lose verwendet und sinkt langsam ab. Ein Eingießen muss man dann etwas vorsichtig sein. Die Kanne Wasser wird benötigt, um den Tee, welcher ja zwangsläufig im Laufe der Zeit stärker wird, vor dem Genuss auf die individuell gewünschte Stärke abzumildern. Nach einem Monat habe ich soviel Freude am türkischen Tee gewonnen, das ich ernsthaft überlege, ob meine eiserne japanische Kanne zuhause bald Gesellschaft von einem türkischen Modell bekommen wird.
Die Fahrt macht riesig Spaß, Kurve links, Kurve rechts, bergauf, bergab, und je höher wir kommen, desto kühler wird es auch. Die geteerte Straße endet irgendwann und weicht einem Lehmweg, und mit dem Asphalt verschwinden auch die Autos. Aus Lehm wird Schotter, aus Schotter Sand, und Nebel kommt auf. Dieser wird so dicht, dass wir den Übergang zum Nieseln kaum bemerken. Erst kann man noch fünfzig Meter weit schauen, dann sind es noch dreißig Meter.
Und irgendwann regnet es wirklich. Kurz vorm Wolkenbruch erreichen wir in ca. 2.600 Metern Höhe das kleine Dorf Kavrun und sitzen in einer Teestube. Grad nochmal Glück gehabt, die Sicht wurde immer schlechter, wir kamen kaum noch vorwärts. Aus der warmen Stube ist es ein tolles Schauspiel. In kurzer Zeit wird aus dem Rinnsal ein rauschender Bach, die Berge ringsum sind nicht mehr zu sehen. Und wir haben nochmal Glück: Wir mieten eine winzigkleine romantische Holzhütte, und müssen nicht mehr durchs Unwetter zurück ins Tal!
Am nächsten Tag klart es schnell auf und so haben wir riesigen Spaß bei der Abfahrt. Nach einem kurzen Stop in Rize, bei dem wir das Paket mal wieder neu motivieren, fahren wir Richtung Kars, denn da soll es nun in einigen Tagen ankommen. Die Strecke ist für heut zu weit, wir schauen einfach mal, wie weit wir kommen. Die bergige Straße ist in einem sehr sehr guten Zustand und hat sogar Fahrbahnmarkierungen und Leitplanken. Wir fahren durch etliche runde Tunnel, die mir großen Spaß machen. Links sind sind rote Lampen, rechts weiße und längere Tunnel haben an der Decke nochmal gelbe Lampen.

Bevor wir weiter können, müssen erstmal ein paar Steine aus dem Weg. Die dicken Felsen räumt der Bagger wie Spielklötze beiseite.
Irgendwann wird die Straße dann wieder schlechter und es wird spät. Campingplätze gibt es hier nicht und wir finden auch kein Hotel mit geschlossenem Parkplatz. Daher fahren wir weiter in die Berge und suchen uns ein Plätzchen mit wirklich grandioser Aussicht für die Nacht.
Den Platz der biblischen Heuschreckenplage. Bei jedem Schritt springen vier bis zehn Heuschrecken auf. Außerdem gibt es riesige wunderschöne Käfer. Da es früh dunkel wird sind wir früh im Zelt. Die Heuschrecken versuchen ins Zelt zu gelangen und machen dabei einen Mordskrach. Ich mache mir Sorgen um Bären. Und um Wildschweine. Und ob die Heuschrecken sich gemeinsam durchbeißen könnten. Und was sind das für Geräusche? Schnauft da jemand? Ist das Hundegeheul nicht sehr nahe? Sind das etwa Wölfe? Gibt es hier Wölfe? Die Mopeds sind in Fluchtrichtung geparkt und ich sitze bewaffnet mit meinem kleinen Leatherman und dem kleinen Hammer zum Einschlagen der Heringe hellwach im Zelt und lausche. Erkennen kann ich in der Dunkelheit nichts. Henning schläft, obwohl er versprochen hat Wache zu halten. Die Nacht in Artvin verläuft ohne besondere Vorkommnisse.
Hinterlasse einen Kommentar